Was tun, wenn der Schmerz des unerfüllten Kinderwunsches nicht aufhört

Aktualisiert: 20. Nov 2019

Viele Paare entscheiden sich im Laufe des Lebens, ein Kind auf die Welt zu bringen. Sie machen sich auf den Weg, steuern ein neues Ufer an und freuen sich dabei auf die neue Lebensphase. Doch dann kann es passieren, dass sich der Wunsch nicht gleich oder nicht erfüllen mag. Rund 10 -15 Prozent der Schweizer Paare haben Schwierigkeiten dabei, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Für viele Betroffene ist das ein grosser Schock. Die Paare sitzen dann meist in einer Kinderwunschklinik oder beim Frauenarzt und werden mit einer Diagnose konfrontiert, die eine mögliche Schwangerschaft verhindern könnte. Das gesamte Leben fühlt sich plötzlich unwirklich an und die Ungewissheit macht einfach nur Angst.


"Ich gebe mein bestmögliches"

Vor allem Frauen beginnen dann alles dafür zu tun, dass sich der Wunsch nach einem eigenen Kind erfüllt. Dabei wird vieles versucht: Familienaufstellung, Mutter – Tochter Konflikte auflösen, Akupunktur, Yoga, Heilkräuter, Fruchtbarkeitsmassage, Schamanenreise usw. Manche Frauen haben mir berichtet, dass sie sich dann wie in einem Hamsterrad fühlen und ihren Aktivitätsdrang nicht mehr stoppen können. Die eigentlich unterstützenden Angebote, welche wahrgenommen werden, dienen nicht der Selbstfürsorge, sondern entsprechen vielmehr dem Leitsatz: „Ich muss mir mein Kind verdienen“ oder „Ich bin nicht gut genug, ich muss mehr leisten wie andere Frauen“ Ich muss mir mein Kind verdienen – Ich bin nicht gut genug - Solche Glaubenssätze können auf der körperlichen und psychischen Ebene grossen Schmerz und Druck auslösen. Dabei ist es überhaupt nicht verkehrt, positiven Einfluss auf die Situation nehmen zu wollen, sich mit sich selbst und dem Leben zu beschäftigen, sich Gutes zu gönnen, aber vielleicht würde es auch reichen sich zu sagen: „Ich gebe mein bestmögliches und das ist genug – Ich bin gut genug “

Meditation:

Schliesse deine Augen, legen deine Hände auf deinen Bauch, atme ein, atme aus, spüre die wellenförmige Bewegungen und sage zu dir selbst:

Ich gebe mein bestmögliches und das ist genug

Ich bin wunderbar (durchschnittlich) wie alle anderen Menschen auch

Ich habe positive und negative Eigenschaften und akzeptiere mich so wie ich bin.




Was hilft: Alles fühlen! Fühlen macht das Leben spannender, schöner und intensiver


In einem Buch habe ich die Formel gelesen: Leiden=Schmerz x Widerstand. Ich kann diese Formel nur bestätigen. Sobald man Schmerz unterdrückt, entsteht eine innere Härte gegenüber sich selbst und anderen Menschen. Man befindet sich in einem Teufelskreislauf, der einen ausweglosen Kampf befördert und die Lebensenergie blockiert. Auf Dauer kann es einfach nicht heilsam sein, die negativen Emotionen zu unterdrücken. Mir drängt sich dann immer folgendes Bild in den Kopf: Wir drücken einen Wasserball unter Wasser, halten ihn fest, irgendwann geht uns die Kraft aus und der Ball fliegt wie eine Rakete in die Luft. Wenn unsere negativen Gefühle mit grosser Auftriebskraft nach oben steigen, wird es schwieriger, diese zu regulieren. Es kostet uns viel mehr Kraft, wieder in die Stabilität zu kommen. Psychischer Schmerz aktiviert ähnliche Gehirnregionen wie der physische Schmerz. Schmerzsignale erfüllen eine wichtige Aufgabe und können sehr hilfreich sein, denn sie lassen uns ins Handeln kommen und Schritte gehen, die für unser Wohlbefinden sorgen. Sie zeigen uns, welche Verhaltensweisen (Aktivitäten, Beziehungen, Orte usw.) gut für uns sind und welche weniger. Auffällig ist nur, dass es uns oft so schwer fällt, auf uns selbst zu achten und einen liebevollen Umgang mit uns zu pflegen.





Ein banales Beispiel aus meinem Alltag: Wenn ich zu Hause die Spülmaschine ausräume, Teller und Tassen in den Schrank versorge, lasse ich immer wieder die Schranktüren offen. Dabei habe ich mir schon oft den Kopf an den Schranktüren angeschlagen und mir auch schon richtig weh getan. Es wäre eigentlich so einfach, die Spülmaschine schmerzfrei auszuräumen und trotzdem falle ich immer wieder in die gleiche Falle. Ertappe mich, dass ich husch, husch... mich an die Arbeit mache. Ich verharre in meinem gewohnten Muster. Warum das so ist? Weil wir einfach Gewohnheitsmenschen sind und es uns Anstrengung und Mühe kostet, neue Verhaltensmuster zu entwickeln. Deswegen benötigt es Selbstdisziplin, Wiederholung und Motivation. Was könnte mich dazu bringen, die Schranktüren zu schliessen? Natürlich... ein achtsamer Umgang mit mir selbst und die Haltung, mir nicht selbst Schmerzen zufügen zu wollen (Nach dem ich diese Zeilen schreibe, glaube ich, dass ich mein Dilemma überwunden habe...grins, grins). Und warum: Ich habe mich dem Schmerz zugewandt.



Frage:

Was würde sich in deinem Leben ändern, wenn du deine Kraft nach innen zulassen, deine Verzweiflung gut versorgen und mit deinem Schmerz arbeiten würdest? Was würdest du deiner besten Freundin empfehlen, wenn sie in der gleichen Lage wäre?






Warum Selbstfürsorge wichtig ist...





Meditation:

Nimm dir Zeit und Raum für dich, setze dich ruhig hin, die Hände auf die Oberschenkel, die Arme sind locker und entspannt. Richte deine Wirbelsäule auf, um das Gefühl von Offenheit und aufmerksamer Erwartung zu bekommen. Lass deinen Atem natürlich fliessen. Spüre deinen (ureigenen) Rhythmus. Deine Lebenskraft. Deine Bauchatmung hebt und senkt sich. Spüre deinen Raum im Becken, deine Körpermitte. Mit deiner Einatmung wird dein Körpermitte weich und weit. Mit deiner Ausatmung erfährst du Tiefe und Kraft - Spüre, wie sich der Raum unter deinem Herzen belebt und mit Energie füllt. Du öffnest dich für das innere zuhören... Wie geht es mir? Wie geht es mir wirklich? Was tröstet mich? Wiederhole diese Fragen immer wieder, so lange sie dir gut tun. Deine Gedanken und Gefühle kannst du in ein Tagebuch schreiben, dadurch lernst du dich besser kennen und schaffst innere Ordnung.


Meine Erfahrungen...


Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es sich angefühlt hat, wenn Freundinnen oder Arbeitskolleginnen erzählt haben, dass sie schwanger sind. Ich habe relativ schnell den Boden unter den Füssen verloren, irgendwelche sinnlosen Wörter vor mich hingebrabbelt, konnte keine klaren Gedanken bilden und fühlte mich ohnmächtig. Irgendwie habe ich solche Situationen nie gut hinbekommen. Was mir manchmal geholfen hat, ist, dass die Frauen es mir verständnisvoll mitgeteilt haben. Ich kann mich noch erinnern, dass meine Schwägerin mir von ihrer Schwangerschaft erzählte und gleichzeitig sagte, dass sie es versteht, wenn ich jetzt keinen Freudentanz machen kann. Sie weiss, dass es für mich nicht einfach ist. Das hat mir sehr viel Druck genommen. Doch auch wenn solche Mitteilungen schwer für mich waren, konnte ich mich trotzdem mitfreuen. Unterschiedliche Gefühle können Hand in Hand gehen. Das Leben ist immer wieder voller Widersprüche. In dieser Zeit arbeitete ich ehrenamtlich im „Familienentlastenden Dienst“ und betreute eine Familie mit einem schwerstbehinderten Baby. Die Mutter hat mich sehr beeindruckt. Ihr Ehemann fühlte sich der Situation nicht gewachsen und litt ausserdem an einer Alkoholsucht. Die älteren Söhne (ein Kindergartenkind und Erstklässler mit Schulschwierigkeiten) pflegten einen liebevollen Umgang mit der kleinen Schwester. Neben der schweren Behinderung kam täglich nächtliches Schreien dazu. Die Mutter konnte keine Nacht durchschlafen. Damit das Haus fertig gebaut werden konnte, musste sie zusätzlich arbeiten. Die Mutter begegnete ihren Kindern und mir so wertschätzend, dass es mich immer wieder berührte. Obwohl sie viel Leid aushalten musste, versuchte sie immer wieder Auszeitinseln für sich zu schaffen, auch wenn diese nur begrenzt möglich waren. Natürlich war sie nicht immer perfekt, aber das wollte sie auch nicht sein. Ihr Leben war hart und kraftraubend. Auch sie litt darunter, dass ihre Tochter nicht gesund auf die Welt kam und wahrscheinlich nie reden, gehen und alleine essen kann. In dieser Zeit habe ich viel gelernt über mich und über das Leben. Ich bin sehr dankbar für die schöne und nährende Zeit. Es hat mir geholfen, dass ich wieder gefühlt habe. Es gehört oft Mut dazu, dass wir alle Gefühle ausleben, aber es lohnt sich. Gefühle machen uns lebendig! Trau dich! Sei gut zu dir (auch wenn es sich manchmal anstrengend anfühlt)!


Gefühle machen uns lebendig! Trau dich!




Meditation:

Lege eine Hand auf dein Herz, spüre deine Herzatmung, der Brustkorb hebt und senkt sich in deinem Rhythmus, du spürst deinen Körper von innen und sprich für dich

"Ich bin daheim bei mir"





Literaturempfehlungen...
























Eine Übung aus dem Buch „Selbstmitgefühl“ von Kirsten Neff

Sich selbst wertzuschätzen Liste zehn Eigenschaften auf, die du selbst wirklich an dir magst und wertschätzt (die Eigenschaften musst du nicht immer zeigen). Achte beim Aufschreiben darauf, ob du irgendwelche unbehaglichen Gefühle bemerkst: Verlegenheit?, Angst?, Eitelkeit?, Fremdheit? Wenn Unbehagen auftritt, dann denke daran, dass du nicht behauptest besser wieder andere zu sein. Versuche diese Eigenschaften anzuerkennen und zu geniessen. Verweile mit deinen positiven Eigenschaften.

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